[Via Futurlogischer Kongress]
Vorwort:

Die Unis in Österreich brennen. Das Interessante daran ist neben dem rebellischen Mut der Beteiligten, die Art der Vernetzung, Organisierung und Mobilisierung, die wie selbstverständlich über die digitalen sozialen Netzwerke ablaufen. Ein Faktor, der auch schon zum Erfolg der Zensursula Kampagne und der Piratenpartei maßgeblich beigetragen hat. In Österreich konnte mit diesen Mitteln das erste Mal ein basisdemokratisches und dezentrales Konzept als gesellschaftlicher Gegenentwurf in realen sozialen Kämpfen erprobt werden. Und: Es funktioniert erstaunlich gut! Jeder kann einfach mitmachen und sich mit seinen Fähigkeiten einbringen. Der virale Charakter der Livestreams, Tweets, Blogeinträge und YouTube Videos hat sich in den deutschsprachigen Kommunikatonsnetzen eingenistet und den Protest weit über das Audimax der Wiener Uni hinaus verbreitet.
Das ist aber eigentlich nichts Neues. Im Iran erlebten wir das selbe Phänomen (#iranelection) schon vor einigen Monaten. Nun spielt sich in Österreich Ähnliches ab und ein Ende scheint nicht Sicht: Der Juni-Bildungsstreik in Deutschland wird im November ausgeweitet und kann auf schon existierenden Strukturen und dem neu entfachtem Enthusiasmus aufbauen. Hier eine kleine Linksammlung von Artikeln, die sich gerade der Bedeutung der social networks widmet:
Vom Flashmob zu #unibrennt: Kollektive Organisation in Realtime
Hurra, hurra die #unibrennt – Politics 2.0
Die Uni brennt nach Ameisenart
Digitale Revolte – der verlinkte Widerstand
Studierendenproteste in Österreich – Studis nutzen aktiv das Social Web
Austrian students are taking social media-trained organization to the ground
Das „geheime“ Netzwerk der Studierenden
Uniproteste als „dezentraler Schwarm“
Netzwerk-Organisationen, Schwarmintelligenz, Change?
Ein unauslöschbarer Flächenbrand. Die #unibrennt.
Keimformhafte Perspektiven für Studentenproteste gesucht
Studentenproteste 2.0: The revolution is twittered
Studentenproteste in Österreich: Mit allen Registern des Netzes
Wien brennt. Österreich brennt. Wann brennt dein Zuhause? Nachdem heute, dem 28.10 in Wien sagenhafte 40 Tausend Menschen auf der Straße waren, in Wien die Hauptuniversität, die Technische, die Akademie der bildenden Künste, die Bodenkultur die Sportwissenschaften, die Internationale Entwicklung – und neuerdings auch das Juridicum besetzt ist, weiteres Hörsäle und Fakultäten in GRAZ, LINZ, SALZBURG, KLAGENFURT – morgen auch INNSBRUCK, ist es Zeit, das sich dieser sagenhafte Protest ausweitet!
Vielen Demonstrierenden geht es nicht allein um die Bildung, vielmehr geht es auch um einen gesammgesellschaftlichen Kontext – das Wort „Revolution“ erfreut sich sehr großer Beliebtheit. Dieser Protest versteht sich als antiautoritär, antifaschistisch, antisexistisch und emanzipatorisch. Er macht nicht Halt bei der Bildung – was auch zu reger Spaltung und Politisierung geführt hat.
Auf der RIESEN-Demo heute in Wien haben nicht nur Studenten demonstriert. Tatsächlich gelang es, Schüler, Lehrlinge, Arbeiter, ganze Familien für den Protest zu begeistern. Von vielen älteren Menschen hören wir ständig das diese Basisverbundenheit, diese Organisation, dieses Mediale (selbstgemachte!! –> Twitter) Echo in den 60er, 70er, 80er, 90er, schlichtweg unmöglich war. NUR an der besetzten Hauptuniversität Wien gibt es zum gegebenen Zeitpunkt über 60 Arbeitsgruppen, viele davon zum Selbstschutz, zur Mobilisierung von anderen Schichten, zur Agitation des Protestes in den Betrieben, zur Internationalisierung usw. Prominente ÖsterreicherInnen solidarisieren sich, kommen vorbei und sind überwältigt.
Wir wollen den Kapitalismus abschaffen. Können aber noch nicht.
Das ist kein Eintagesfliegen Bildungsstreik, das ist eine Occupation der Universitäten auf unbestimmte Zeit mit dem Ziel der Ausweitung. Wir haben keine Führenden, wir haben keine zentrale Organisation, das Plenum ist die einzige bestimmende Instanz. So basisdemokratisch, ohne Aufruf von irgendjemensch haben die verschiedenen Unis in Österreich die Revolte weitergeführt, und sind jetzt zweifelsohne an EINEM Höhepunkt, der vor wenigen Tagen, als 300 Studenten gemeinsam mit Professoren die Kunstakademie besetzten und zur Solidarität ausriefen schlichtweg undenkbar war. Noch gestern war die Frage, ob wir die 10.000 marke bei der Demonstration knacken können, obwohl alles darauf hindeutete. Die Medien, allen voran der ORF schweigen uns logischermaßen tot. Die kritische Masse ist erreicht, wie es weitergehen soll, weiß keiner genau, wir machen weiter wie bisher, tragen den Protest in die breite und kämpfen gegen jede Vereinahmung seitens einer autoritären, faschistischen, sexistischen oder sonst wie diskriminierenden Organisation.
Ganz wie es die BesetzerInnen der Kunstakademie forderten (FM4):“it’s not just about occupying your university. you should occupy everything! at work, at home, everywhere! RECLAIM YOUR LIFE! wie gehabt, dies ist ein Aufruf..!!!
http://www.unibrennt.at/
http://www.ustream.tv/channel/tubrennt
Twitterhashtags: #unibrennt #unsereuni #audimax #tubrennt #bokubrennt und viele mehr..
www.twitter.com/gewure
www.twitter.com/unibrennt
www.twitter.com/tubrennt
http://de.indymedia.org/2009/10/264413.shtml

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30. Oktober 2009 um 11:09
Freiheit statt Uni – Keimformen befreiten Lebens
…“Was die Universität an positiven Ressourcen, Kompetenzen, Infrastrukturen birgt, würde sich in die gesellschaftliche Bewegung der Selbsterforschung und der kollektiven vielfältigen Suchbewegung nach einem neuen Leben auflösen. Der Rest ist für den Abfall.“…
Voller Beitrag hier:
http://www.social-innovation.org/?p=1283
30. Oktober 2009 um 17:51
Zu Andreas Exner’s Postings:
???
Sogar auf Zeitungsfotos sind Transparente zu sehen auf denen die Forderung steht: „Bildung statt Ausbildung“ und auf einem Transparent vor der Uni am Mittwoch stand „Macht Bologna den Prozess“.
Also der Widerstand wendet sich auch gegen die „Fordistische Universität“ (Fließbandfertigung von „AkerdemikerInnen“), nur sollten in einem Netzwerkprotest alle Aussagen gelten, da Netzwerkprotest ohne freie Meinungsäusserung nicht geht.
Interessanter Weise sind diese Fotos in den Gratiszeitungen in der U-Bahn aufgetaucht, ob da vielleicht ein Zusammenhang besteht
2. November 2009 um 17:40
[...] http://blogpoliteia.wordpress.com/2009/10/29/aufruf-aus-osterreich/ [...]
3. November 2009 um 22:20
Fantastisch,
ich bin begeistert von eurer guten Linksammlung Danke!
und synergetische Grüße von der Uni Salzburg!!!
4. November 2009 um 19:55
[...] http://blogpoliteia.wordpress.com/2009/10/29/aufruf-aus-osterreich/ [...]